30 Jahre Wildvogelstation
im oberen Edertal
(Hatzfeld-Lindenhof)

Seit 1974 betreiben wir eine Wildvogelpflege- und Auswilderungsstation. Über die Pflege und Auswilderung haben wir natürlich eine Unmenge an Erfahrungen gesammelt, die in der Fachliteratur schon zum Teil publiziert wurden. Dieser kleine Bericht soll deshalb auch nur einiges aus der Gesamtarbeit zusammenfassen. In diesen 30 Jahren wurden etwa 1500 Wildvögel betreut. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag jedoch auf den Greifvögeln und Eulen. Insgesamt 728 Vögel aus dieser Gruppe wurden registriert (Tab.).

 


Unsere Bemühungen sind natürlich wenig öffentlichkeitswirksam, da wir unsere Schützlinge streng nach Naturschutzbedingungen behandeln. Viele Pfleglinge, die vom interessierten Laien als geheilt angesehen werden, sind aber oft eben nicht mehr ihrem natürlichen Lebensraum zurückzugeben.

Ein Beispiel dazu sind Kopfverletzungen. Diese Verletzungen sind oft optisch nicht erkennbar und zeigen erst nach Tagen und nach sorgfältigen Beobachtungen ihre tatsächlichen Schäden im normalen Verhalten.

Unsere Volieren und Haltebedingungen sind deshalb in erster Linie auf die Behandlung und Pflege zur Wiederauswilderung ausgerichtet. Der Prozentsatz der Pfleglinge, die nach diesen Inhalten und Vorgaben nicht in die Natur zurückkehren können, ist deshalb erheblich.

Die 728 Greifvögel und Eulen gliedern sich in 12 Greifvogel- und 7 Eulenarten (siehe Tabelle).

Tabelle
 

Außerdem wurden u.a. folgende Arten gepflegt, die z.T. aus der Gefangenschaft entwichen waren:
1 Gänsegeier, 1 Wanderfalke, 2 Sakerfalken, 3 Lannerfalken, 1 Andenbussard, 1 Falkenbussard, 7 Graureiher, 1 Kranich, 1 Kolkrabe, 1 Weißstorch und 8 Eisvögel.

Die Unfall- oder Pflegeursachen stellen sich wie folgt dar: Straßenverkehr, Umweltschäden, aufgegriffene Jungvögel.

Unter Umweltschäden sind z.B. Gifte, Stromschäden oder auch Fensterscheiben gemeint.

Heilerfolge bei Giften sind gering. Auch Vögel, die Stromschäden erlitten, haben kaum Erfolgsaussichten. Bei Verletzungen an Fensterscheiben, Zäunen und anderen Bauwerken sind die Heilungserfolge etwas besser. Verletzungen übelster Art bringen Weidezäune aus Stacheldraht und Elektrodraht, da sie von den Vögeln wie Zweige wahrgenommen werden und für sie "nachzugeben" haben. So trennte sich der oben angegebene Wanderfalke an einem Elektrodrahtzaun die Schwinge ab. Verletzungen durch einen Stacheldrahtzaun führen durch die eigenen Befreiungsversuche der Vögel oft zu Hautverlusten, die nicht mehr zu beheben sind. Bei Unfällen an Straßen sind die immer wieder auftretenden Brüche ein Problem. Die medizinische Behandlung hat nur bei frischen Verletzungen eine gewisse Heilchance. Bei Schwingenbrüchen ist eine Heilung nur dann zu erwarten, wenn es keine Splitterbrüche sind, da die Knochen hohl sind und wie Glasröhrchen reagieren.

Jungvögel aufzuziehen und auszugewöhnen, ist dagegen bei sach- und fachgerechter Behandlung kein Problem. Das entschädigt als Erfolgserlebnis ein wenig für das Unheil, das die moderne Industriegesellschaft diesen Arten dauernd antut.

Diese Zeilen zur Vogelstation sollen nur einen Überblick geben und nicht das ganze Arbeitsspektrum aufzeigen. Die statistischen Daten, die auf den Eintragungen unseres für die Obere Naturschutzbehörde geführten Stationsbuches basieren, sprechen sicher für sich. Die tatsäschlichen Erfolge können mit dem Kostendenken unserer Konsumgesellschaft nicht errechnet werden.